Das traurige Ende 1945 und 1946



Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, im Jahre 1939, zählte Glumpenau 752 Einwohner.
An die 150 Mann aller Altersklassen, erfüllten treu ihre Pflicht, etwa 50 kehrten nicht mehr heim.

Besondere har wurde unser Heimatdorf am Ende des Krieges getroffen. In den Wintermonaten 1944/1945 war der Russe in Schlesien eingebrochen. Ende März stand er vor Neiße. Am 17. März 1945 musste Glumpenau auf militärische Anordnung von der Zivilbevölkerung geräumt werden. Es war höchste Zeit.

Der zweite Weltkrieg im Jahre 1939 war ausgebrochen und wieder erfüllten an allen Fronten, im Osten und Westen, im Süden wie im Norden sowie in der Heimat, unsere Glumpenauer, wohl um 150 Mann aller Altersklassen ihre Pflicht. Etwa 50 kehrten nicht mehr heim.

Doch das Ende dieses Krieges traf unser Dorf sehr hart. Als sich in den Wintermonaten 1944/45 die deutsch-russische Front Schlesien nicht nur genähert, sonder bereits zum Teil im Lande befand, war Glumpenau längst mit deutschen Truppen belegt. Nach den Durchbruchskämpfen zwischen Oppeln und Grottkau hatte sich die Front gegen die Stadt Neisse zu verlagert und am 17. März 1945 mußte das Dorf auf militärische Anordnung von der Zivilbevölkerung geräumt werden. Die Besitzer treckten mit allen mitnehmbaren Hab und
Gut in Richtung Eichenau, Klein Briesen auch über Ottmachau in die Berge des nahen Sudetenlandes. Zahlloses Vieh, das nicht mitgenommen werden konnte musste abgeschlachtet, dem Schicksal oder der Wehrmacht überlassen werden. Wohl an zwei alte Dorfinsassen, so der alte Auszügler Alois Leder u. noch einer blieben im Dorfe zurück, sind aber darin ums Leben gekommen.

Unendliche Strapazen für Menschen und Vieh war der weite Weg, die Unterbringung und auf die längere Dauer die Versorgung mit Futtermitteln. Aber dennoch wagten einzelne Besitzer, trotz der nahen, bereits unsere Feldmark berührende Front, eine Heimkehr mit dem Fahrrade oder zu Fuß ins Dorf, um Futter zu holen oder auf dem Felde Umschau zu halten.

Als nun endlich nach dem Waffenstillstand am 08.Mai 1945 die Bewohner zurückkehren konnten, sahen die Verwüstungen und Zerstörungen durch die Kampfhandlungen im Dorfe. Der Kirchturm war durch Beschuß zerstört und ebenso auch verschiedene Gehöfte, Felder und Wiesen mit Minen und Munition belegt. Hinzukam, dass die Bevölkerung der Willkür der fremden Soldateska ausgesetzt war und den täglichen Plünderungen und Verfolgungen schwer entgehen konnte.

Es kam noch schlimmer, als im Sommer 1945 ganz Schlesien und auch unser Heimatdorf unter polnische Verwaltung kam. Die Besitzer wurden entrechtet und mussten den sich wahllos auf die Gehöfte gesetzten „fremden Herren“ dienen und für sie arbeiten. Das Leben im Dorfe war zur Unerträglichkeit geworden.

Zu Beginn des Monats Oktober 1945 wurden die ersten Einwohner mit geringen Habseligkeiten, was ihnen noch nicht durch die Plünderungen genommen war, auf dem Platze vor dem Kriegerdenkmal gesammelt und ausgewiesen. Über Neisse transportiert landeten sie nach Irrfahrten und Lagerleben in Mecklenburg, in Holstein, endlich als Vertriebene auf der Insel Sylt.
 
Im Mai und Juni des Jahres 1946 wurde dann der größte Teil der Bewohner des Dorfes von ihren Höfen vertrieben, ausgewiesen und nach Westdeutschland transportiert. In die verschiedensten Orte Niedersachsens zerstreut sind sie mit anderen schlesischen Landsleuten untergebracht worden und soweit sie noch arbeiten können, leben sie als Arbeiter oder von Rente und Fürsorge. Einzelne Jüngere Besitzer soll es wieder gelungen sein, sich auf westdeutschen Boden eine Siedlerstelle zu erwerben.

Von den älteren Dorfeinwohnern ist seit ihrer Vertreibung aber auch schon mancher den Weg in die ewige Heimat vorausgegangen und von den Lebenden hoffen viele immer noch auf eine Rückkehr in die alte Dorfheimat.

Mit Wehmut und Trauer gedenken Sie vom Allerheiligen- bzw. Allerseelentage ihrer lieben Verstorbenen, die fern von ihnen in der alten Heimat ruhen und deren Gräber sie nicht pflegen und schmücken können, weil sie zerstört oder eingeebnet, oder deren Grabsteine beseitigt worden sind.

Spärlich dringen einzelne Nachrichten aus dem lieben alten Heimatdorfe zu den ehemaligen Besitzern des einstmals schönen Dorfes am Neißestrande, das heute, wie es auf einer etwas unlesbaren kirchlichen Beurkundung eines Taufscheines durch den Pfarrer Glombik ausgestellt ist, durch die polnische Verwaltung in Glebice bzw. Glebinow, pow. Rysa benannt worden ist.


Das war seit 6 Jahrhunderten das Dorf, wo unser und unserer Vorfahren Wiege gestanden hat.
 
Nachtrag

Die nachfolgenden Angaben und die Sammlung der Namen der Gefallenen sowie der anderen Toten der Gemeinde sind dem letzten Bürgermeister Franz Rinke zu verdanken.

Währen das Dorf vom 16. März bis 08. Mai 1945 im Bereich der Kampfhandlungen um die Stadt Neisse lag, wurde s durch die russische Artillerie oft beschossen und die meisten Dächer der Gebäude hatten mehr oder weniger große Schäden aufzuweisen. So wurde wie schon auf vorhergehenden Seiten erwähnt, der Kirchturm an der Ostseite im Geviert schwer getroffen. Zu allem Unglück im Jahre 1945 suchte ein schwerer Gewittersturm unseren Heimatort heim und der mit Schiefer gedeckte Turmsehen? wurde heruntergeworfen, wobei er zum größten Teil auf das Dach des Kirchenschiffes fiel und dieses schwer beschädigte. Das vor der Kirche an der Straßenseite stehende und vor dem ersten Weltkriege von dem Bauern Josef Peter II gestiftete schöne Marmorkreuz wurde von den herabstürzenden Trümmern mit zerstört. – Wie der verstorbene August Wahner vor Jahren mitteilte, fand er Trümmer der Glocken bis auf seinem Berggrundstück und der Inhalt des Turmknopfes in der Umgegend der Kirche wieder.

An Gebäuden im Dorfe wurden durch den Artilleriebeschuß stark beschädigt; das Mücke ... Wohnhaus neben der Kirche und des Bauern Josef Beck sowie das Gasthaus Jüttner. (ehemals der Gerichtkretscham)  Es ist anzunehmen, dass der Kirchturm als Ziel diente und so die anderen Gehöfte in einer Schusslinie lagen
 
Vollständig abgebrannt war durch die Kriegshandlungen das Wohnhaus des Landwirts Josef Grondei und die Scheuern der Bauern Paul Sauer und Alois Rinke. Schwere Beschädigung erlitt ferner das Wirtschaftsgebäude der Bauernwittwe Ida Kirchner geb. Alder und das Doppelwohnhaus der Bauhandwerker Albert Günther und August Sauer am Eingang des Niederdorfes.

Im Abbau alter Zoll war das Theodor Rieger´sche Gasthaus – Zu den drei Kronen – schwer beschädigt und das gegenüberliegende Gehöft der Landwirtswittwe ... Wahner glich ebenfalls einer Ruine. Dies lag wohl daran, dass die Gehöfte an der Hauptverkehrsstraße lagen und auf dem Henkelsberge? eine deutsche Truppenstellung sich befand.

Das Bahnhofsgebäude war gleichfalls zerstört und die Eisenbahnüberführung (Brücke) des Verbindungsweges Hochdorf nach Glumpenau gesprengt.
 
Gedenkblatt 1939-1945
 
(Kreuz)    Bei der Ausweisung aus der Heimat sind auf dem Transport verstorben:

        der Auszüger Emanuel Bauck und
die Bauersfrau Anna Fieber

Durch Unterernährung, Krankheit und mangelnde ärztliche Betreuung haben noch etwa 10 Personen aus der Gemeinde ihr Leben vorzeitig hingegeben und so ist mit einem Ausfall von fas 100 Personen durch den Krieg und seine Folgeerscheinungen, Flucht und Vertreibung des ehemals 752 Seelen zählenden Dorfes zu rechnen.

 
(89) Aus der Gemeinde....
 
Mein Heimatdorf

von Franz Rinke, letzter Bürgermeister von Glumpenau.

1.    Glumpenau, du trautes Dörfchen an dem schönen Neißstrand,
deine Wiesen, deine Felder, wie gepflegt von fleißger Hand!

2.    Auf der Wiesengrüner Auen, mancher mächtige Eichenbaum stand
Für das Auge herrlich anzuschauen, stummen Zeugen für ein deutsches Land

3.    Wenn die Blicke schweifen von den Höhen weit, bis ans Sudetenland,
schlug das Herz begeistert höher, wie bist du so schön mein Heimatland

4.    Wenn von St. Jacobus, aus der nahen Neissestadt, der Glocken dröhnendes Geläute
schallte übers Neisserland, dann ein Jeder sich auch freute, dass dort seine Wiege stand

5.    Wenn am Sonntagmorgen, rief uns unser Glocken heller Ton, schnell sich rüstet Jeder, Herr wir kommen schon.

6.    In des trauten Kirchleins Stille, mancher fromme Beter kniet, fleht zum Herrn des Himmels, Herr Dein Wille dort geschieht.

7.    Urban, ... Streiter, unseres Kirchleins Schutzpatron, führ uns auf die Himmelsleitern einst zum ewigen Thron.

8.    So lebten wir in unserem Dorf zufrieden, froh und wohlg... ein Jeder schaffte für die Seinen, dass es Ihnen später ginge gut.

9.    Als dann noch ein zweiter Weltkrieg über uns brach los, da zogen wohl an 150 Streiter, in ein bitter schweres Los.

10.    An fünfzig oder mehr, der grüne Rasen deckt, wir flehen zum Herrn des Himmels, das er seelig sie ...
 
Alljährlich zur Zeit ihrs zweiten Gelöbnistages Maria Heimsuchung finden sich die noch lebenden alten Glumpenauer zu einem Heimatreffen zusammen und gedenken in einem feierlichen Gottesdienst mit Predigt ihrer verstorbenen und gefallenen Gemeindemitglieder. Alsdann vereinigen sie sich zu einem Unterhaltungsnachmittag.

(Gruppenbild)

Das obige Bild zeigt ebenfalls ein solches Treffen, als die Glumpenauer in der Fremde durch den Besuch, des  aus Glumpenau gebürtigten Prälaten König unerwartet besucht wurden.
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11.    Als der Krieg vorbei und Frieden sollte sein, brach das Unglück noch viel schlimmer [über uns herein]

12.    Man nahm uns Haus und Hof und trieb uns von der Scholle, von der Heimat, die und dort gebahr.

13.    Doch wir flehen und hoffen, dass der Herrr der Weltgeschicke sie uns gibt zurück,
Wem dies Glück nicht mehr beschieden, wendet aus der ewigen Heimat segnend seinen Blick.
 
Unsere Toten
Den Weg in die ewige Heimat gingen uns voraus:

 
Bild derm Madonna von Lucas Cranach
 
Zeichnungen von Gebäuden und weitere Anlagen