Sitten, Gebräuche und Trachten



Wie [es] in anderen deutschen Landen heute oft noch üblich ist, hatte auch unser Heimatdorf seine frommen Sitten und Gebräuche, die sich durch Jahrhunderte hindurch bis in die Neuzeit, besonders in alteingesessenen Familien erhalten haben. Sie Sollen hiermit aufgezeichnet werden:

In den ersten Januartagen, nach dem Dreikönigsfest, fand der Neujahrsumgang statt, bei welchem der Pfarrer die Häuser einsegnete. Der  nächste Brauch, aus der nahen Neiße am Karfreitag in der Frühe Fließmutter zu holen, war schon seltener geworden jedoch am Ostermorgen kleine Holzkreuzchen mit einem Palmenzweig in die Saatenfelder zu stecken war noch häufiger anzutreffen. Am Markustage und an den drei Bittagen vor Himmelfahrt wurden die Bittprozessionen um die Felder gehalten.

Mit einem feierlichen Hochamt in der Kirche und Bittprozessionen beging man den Urbanustag am 25. Mai als den Tag des Kirchenpatrons und der Gemeinde. In gleicher Weise wurde auch der 2. Juli jeden Jahres, der Tag Maria Heimsuchung, als zweiter Gelöbnistag der Gemeinde gehalten und in feierlicher Weise mit Hochamt und Prozession zog am Fronleichnamstage die Gemeinde durch das geschmückte Dorf zu den vier Altären.
 
Während der Abendstunde in der Maienzeit aber fand sich immer eine kleine Gemeinde in der Kirche von dem Marienaltar, der von liebevollen Gönnern geschmückt war, zur Marienandacht ein.

Das Kirchweihfest war mit des letzte Fest, das am zweiten Sonntag im November in der Gemeinde gehalten wurde.

Aber nicht unerwähnt soll die Gelobnisprozession nach Rochus bei Neisse sein, welche seit der Zeit der Pestjahre gehalten wurde und alljährlich im August stattfand.

Auch frohe heitere Feste waren im Dorfe üblich. Fast alljährlich hielt man ein Sommerfest unter dem schattigen Eichen am Neißestrande ab.

Die Jugend des Dorfes veranstaltete mit dem erwachenden Frühling alljährlich ihr „Todaustreiben“, was bedeuten sollte, dass der Winter nun vorbei war. Eine Strohpuppe wurde mit viel Geschrei auf die Wiesen gefahren und dort verbrannt. Und während der letzen Tage der Karwoche, wenn die Glocken schwiegen, zogen die Schuljungen mit Holzklappern durch das Dorf und verkündeten damit die Morgen-, Mittag- und Abendzeit. Zur Zeit der Sonnenwende am Vorabend Johanni brannte man aus alter Tradition auf den Höfen des Heideberges und bei den Kiefern des Johannisfeuer ab.

Nach eingebrochener Ernte fand sich Alt und Jung beim Haferfest oder Weizenkranz zusammen.
 
Wie es auch in anderen Orten des Neisser Landes, namentlich in Neiße – Neuland noch um das Jahr 1910 üblich war, trugen vor der Jahrhundertwende die meisten Frauen des Dorfes an Sonn- und Festtagen eine besondere Haubentracht aus weißen Spitzen oder mit langen oder kurzen weißen, auch bunten oder mit Blumen bestickten  Seidenbändern. Bei Trauerfällen waren schwarze Haubenbänder üblich. Im Sommer trugen sie dazu eine entsprechende dunkle, auch schwarze Jacke mit kleinem Stefkragen? und am unteren Rande derselben ein Kräuselband. Der rock in vielen Falten, war ebenfalls schwarz  oder dunkel aus Ripps-Seide oder Stoff und darauf eine helle, buntblumige Seidenschürze. Im Winter trugen sie ein langes dickes Schultertuch mit den Spitzen nach unten und während der Übergangszeit ein leichteres, oftmals mit einem türkischen Muster versehenes und mit einer Brosche am Halse zusammengehaltenes Tuch. Auf dem Kopfe wurde im Winter eine Nerzpelz besetzte und wattierte oder eine ... wollene Haubenmütze getragen. Auch daran schillerte der Haubenbänder bunte, glänzende Pracht und zu dieser Winterkleidung gehörte auch der damals übliche runde Nerzpelzmuff. die Dorftracht wurde nach 1900 nur noch von den älteren Frauen getragen und starb mit diesen ganz aus.
 
Ein Bild mit einer solchen Haubentracht und wohl der letzten des Dorfes aus dem Jahre 1936 ist noch erhalten geblieben und wird an dieser Stelle gezeigt. Es ist dies die 81jährige Wahner Mutter, wie man im Dorfe zu sagen pflegte.



( Foto von der Wahner Mutter)
(Zeichnung der heimatlichen Dorftracht)

Weitere Sitten und Gebräuche wie sie größtenteils auch in unserem Dorfe noch üblich waren, sind in dem von Josef Brauner  herausgegebenen Buche. Schlesischer Volksbrauch im Kirchenjahr aufgezeichnet.



Aus der Gemeinde Glumpenau traten drei Söhne in den geistlichen Stand ein und zwar: Karl Kraudelt, Sohn eines Häuslers. Er wurde Missionar, ging in die damaligen deutschen Kolonien von Afrika und starb nach kaum zweijähriger seelsorgerischer Tätigkeit. Der nächste war der Sohn des Bauerngutsbesitzers Emmanuel Schinke; der spätere und letzte Stadtpfarrer von Hirschberg i.R. – Dr.-th. Paul Schinke. Ferner als dritter sei noch erwähnt Albert König, Sohn eines Gärtners Ferdinand König von Glumpenau. Er ging nach Amerika und ist heute daselbst Prälat.

Alle drei feierten ihre ... in der Kirche zu Glumpenau.

Handschriftliche Ergänzung aus 1989:
Prälat  Albert König verstarb am 23.10.1967 in Amerika
Geistlicher Rat Dr. Paul Schinke verstarb am 1.5.1971 in Ursberg (Schwaben)
Heimatpfarrer Wilhelm Glombick verstarb am 20.5.1968 und wurde in der Priestergruft Abt.II Nr. 67 auf dem Friedhof zu Bamberg beigesetzt.

Seelze im Juli 1989

 
Im Dorfe bestanden vier Vereine. Um das Jahr 1896 hatten junge Leute zur Pflege der Geselligkeit den Verein Concordia gegründet. Nach den damaligen Gründungsstatuten sollte der Reinertrag des Vereins und aus Veranstaltungen desselben für kirchliche Zwecke wie zur Anschaffung von Paramenten oder dergleichen Verwendung finden. Nach seinem 25-jährigen Stiftungsfeste trug der Verein auch eine Fahne in den Farben grün – weiß.

Die alten Veteranen der Kriege von 1864, 66 und 1870/71 gründeten darauf im Jahre 1902 den Kriegerverein Glumpenau. Zweck und Ziel dieses Vereins war es in erster Linie den kameradschaftlichen Zusammenhalt der alten und gedienten Kameraden auch weiter zu fördern und den verstorbenen Kameraden ein Soldatenbegräbnis zu gestalten, notfalls aber auch um den Hinterbliebenen eine Beerdigungsbeihilfe zu gewähren. Der damaligen Zeit entsprechend gestaltete der Verein auch  die vaterländischen Gedenktage durch den seinerzeitigen ersten Vorsitzenden Alois Leder zu einem Dorffeste aus. Die Vereinsfahne trug die Fahren schwarz-weiß-rot einerseits und andererseits schwarz-weiß und ihr jahrelanger Träger war der Landwirt Franz Seigwasser.

Als dritter Verein bildetet sich um 1903 unter der jahrelangen Führung des Bauunternehmers Josef Kirchner der Zusammenschluß der Arbeiter und Handwerker im katholischen Arbeiterverein von Glumpenau. Seine Vereinsfahne war blau-rot. Auch seine Veranstaltungen mit der Kinder-Weihnachtseibescherung, den Theaterdarbietungen und seine Sommerfest-Veranstaltungen waren immer ein wahres Volksfest im Dorfe.

Glumpenau war früher mit Heidersdorf in einem sog. Spritzenverbande. Die Gemeinde hatte aber bereits eine eigene Handdruckspritze, ein massives Spritzenhaus und einen Leiterschuppen in der Mitte es Dorfes stehen. Der damalige recht umsichtige Kreisbrandmeister Färber in Neisse gründete dieser im Jahre 1911 in Glumpenau die Freiwillige Feuerwehr.


(Zeichnung des Spritzenhauses)
 
Als in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 der Weltkrieg ausbrach, war Glumpenau der Mobilmachungsort einer Landwehr-Batterie die gegen Russland zog.

Für das Vaterland fielen im Felde, bzw. starben an Verwundung  und Krankheit oder wurden vermisst an 26 Söhne aus der Gemeinde.

Der erste Gefallenen war der Soldat Franz Franke, Sohn des Hausbesitzers Josef Franke.

Im Kriege 1870/71 war nur ein Besitzer, namens Klamt aus dem Dorfe gefallen.
___________________________________________________________________________


 
Den Gefallenen des Krieges errichtete die Gemeinde im Jahre 1930 am ehem. Turn- und Kinderspielplatz, dort wo einst die kleine Dorfkapelle gestanden hat ein Denkmal und verewigte die Namen derselben auch an der Brüstung der Empore in der Kirche.


 
Die Zeit nach dem ersten Weltkriege brache mancherlei Veränderungen im Heimatdorfe, so den Anschluß des Ortes and das Starkstromnetz des Überlandwerkes Oppeln im Jahre 1921 nur einige Jahre später die schon erwähnte Einrichtung der Pfarrei sowie Besitztumswechsel.

 
(Gedenktafel 1914-1918) (siehe unter Gedenktafeln)
 
Nachtrag:

Dorf Glumpenau hatte vor Ausbruch des II. Weltkrieges im Jahre 1939 nach den Angaben des letzten Bürgermeisters Franz Rinke mit den zugehörigen Abbauten wie „Alte Neiße“, die Chausseehäuser „Alter Zoll“, dem Bahnhof Gießmannsdorf und dem Abbau „Kolonie Kohlsdorf“ eine Einwohnerzahl von 752.

[Ergänzung in anderer Handschrift folgt]